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Weinernte im Selbstversuch

  • Autorenbild: Katharina
    Katharina
  • 21. Sept. 2023
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 4. Nov. 2023

Die Weinernte am Kaiserstuhl im Selbsttest!


Alles ist klebrig … meine Arbeitshandschuhe sind mit einem dicken Film aus klebrigem Traubensaft überzogen, alles was ich anfasse, wird es auch. Die Haare, die Jeans, die warme Daunenweste – klebrig. Zum Glück trage ich eine alte Hose, eine ausrangierte Jacke und Weste - Zwiebellook, sehr zu empfehlen für diese “Indian Summer”-Tage, an denen es morgens kühl und mittags noch schön sonnig ist. Nach einer Woche werde ich sehen, welche Spuren die Weinlese bei mir, neben meiner klebrigen Kleidung, hinterlassen hat.

Gerade habe ich noch einen wunderschönen Sonnenaufgang gesehen, so schön wie seit langem nicht mehr! Ich bin dankbar. Es ist September 2021 und die Weinlese hat hier im Badnerland gerade erst begonnen. Ich stehe im Ihringer Winklerberg mitten im wunderschönen Kaiserstuhl, in der Nähe von Freiburg im Breisgau, genauer gesagt im wärmsten Ort der Republik, zwischen zwei Zeilen Weinreben.

Dank seines alten Vulkangesteins, dass sich stark erhitzt und Wärme speichert, kann der Boden des idyllisch gelegenen Kaiserstuhls im Sommer bis zu 60 Grad heiß werden. Die größtenteils in Terrassen angelegten Weinparzellen, die an Reisterrassen auf Bali erinnern, sind mit Lössboden durchzogen, der kalkreich ist und somit eine tiefe Mineralität für kräftige körperreiche Weine verleiht. Aber auch Heimat vieler Insekten, Vögel und der seltenen Smaragdeidechse, der das warme mediterrane Klima hier wunderbar gefällt. Das Terroir: das Klima, die Bodenverhältnisse und die Umgebung hier im Dreiländereck zwischen Frankreich - die Vogesen und das große Vorbild Burgund in Sichtweite, Basel in der Schweiz und dem Schwarzwald im Rücken, ist ideal für den Weinanbau.


Ich stehe immernoch im Winklerberg, es ist 8 Uhr morgens und bei 9 Grad ist mir recht kalt. Der Nebel hüllt die Umgebung in Watte. Man sieht nicht weit. Wir laufen durch das hohe Gras, das durch den Bodenfrost nass ist. Meine Wanderschuhe waren auf jeden Fall eine gute Wahl und sorgen für genug Grip im steilen Weinberg – außerdem halten sie meine Füße trocken. Um mich herum höre ich nur das Klackern der vielen Traubenscheren. Zack, zack, zack werden die Eimer mit prallen Spätburgundertrauben (franz. Pinot Noir) gefüllt. Die monotonen Abläufe machen aus der Weinernte fast eine Meditation: Trauben abschneiden, nach Pilzbefall und trockenen Stellen begutachten, ausschneiden, die Trauben vorsichtig in den Eimer legen, next! Weintraube für Weintraube, Eimer für Eimer, Reihe um Reihe.

Nach ein paar Stunden schmerzen erst die Füße, dann der untere Rücken. Ich gehe oft in die Hocke, in der Hoffnung, Linderung zu erhalten. Mein Körper, der ständig nur auf einem Bürostühl sitzt, ist körperliche Arbeit nicht gewöhnt – schon gar nicht 10 Stunden am Stück!


Zwischendurch eine Pause: 12:30 Uhr starten wir im SUV bergab und winden uns die kurvigen und holprigen kleinen Weinbergstraßen entlang. Die Sicht ist beim heutigen stahlblauen Himmel gigantisch und reicht bis ins Burgund, wo der Horizont verschwimmt. Weinparzelle an Weinparzelle scheinen die grünen Blätter in der Sonne! Einfach nur wunderschön! Endlich die wohlverdiente Pause: frisches „gut bürgerliches“ badisches Essen, Schäufele mit Kartoffelsalat, und zum Abschluss Kaffee, der wieder Energie bringt.

Zurück in den Weinberg geht es mit einem anderen Transportmittel weiter, und das ist ein echtes Abenteuer: Ich darf auf dem Traktor mitfahren und muss mich ordentlich festhalten. Groß und ungestüm dieser Traktor. Fand ich früher eher uncool, doch mittlerweile ist das Knattern des Motors für mich der Inbegriff von Natur und echter Handarbeit, die mich heute so sehr begeistert und den Büroalltag mit 10km/h weit hinter mir lässt.


Wir starten fix in eine neue Parzelle, diesmal ist es Grauburgunder, auch ein Bestseller hier aus dem Kaiserstuhl. Aber nicht so mein Lieblingswein. Der Nebel hat sich nun längst verzogen, die Sonne brennt auf meiner Haut. Zwiebellook sei dank, passe ich mein Outfit dem Wetter an. Die Weinernte läuft jetzt nach der Pause besonders schnell. Konzentration, dann macht es nur noch Schnipp Schnapp, Schnipp Schnapp in allen Reihen. Ein Mitarbeiter aus der Gruppe animiert die anderen, macht ständig Witze. Alle Erntehelfer kennen sich hier seit Jahren. Es ist wie Familie. Die gefüllten Eimer mit wunderschönen Grauburgunder Trauben fliegen nur so durch die Luft. Und schon bin ich wieder im meditativen Flow: Es geht weiter, Reihe um Reihe, Parzelle um Parzelle.



Langsam wird es dunkel, ich freue mich auf eine Dusche, es kleeebt! Ich habe Rücken - mein ständiger Begleiter. Doch nach Sonnenuntergang ist noch lange nicht Schluss: Es geht in den Weinkeller - genauer gesagt in eine Außenstelle, wo die von uns geernteten Trauben ankommen, geprüft und direkt weiterverarbeitet werden. Ein süßlicher Mostgeruch hängt ständig in der Luft! Daneben viele Holzfässer und Stahltanks, wo bereits frischer Traubenmost lagert, aus dem einmal mit viel Savoir-Faire sehr hochwertiger Wein werden wird, in einem oder 2 Jahren wird er erst auf der Flasche sein. Hier stehen auch große Edelstahlmaschinen zum Sortieren oder Pressen der Trauben, die alle weitgehend von Hand bedient und auch am Ende des Tages von Hand gereinigt werden. Nur ich Weinpraktikantin habe neben allen angehenden Winzern und Winzerinnen keine Ahnung, was… wo…wie? Alle zeigen sich verständnisvoll und helfen sich gegenseitig. Teamwork eben.

Zum Abschluss haben wir müde Augen und säubern noch alle Behälter mit Wasser - inzwischen ist es spät und dunkel, das Wasser saukalt. Um 22 Uhr ist die Arbeit erledigt und ich bin fix und fertig. Auf uns wartet noch - nein, kein Wein, sondern - das kühle Feierabendbier, das wir zusammen trinken und womit wir auf uns als großartiges Team anstoßen.


14 Stunden Natur pur, Kälte und Sonne, wunderschönes Panorama, umgeben von Weinbergen: Es fühlt sich unendlich gut an, zu wissen, was ich heute mit meiner Handarbeit erreicht und welchen Teil ich zu einem qualitativ sehr hochwertigen Produkt aus meiner Heimat beigetragen habe. Auch wird mir sehr bewusst, wie viele handwerkliche Schritte, Menschen und Maschinen nötig sind, um aus Trauben Wein herzustellen. Und wenn ich gleichzeitig froh bin, meine klebrige Kleidung loszuwerden, so bleibt mir auf jeden Fall eines: mein größter Respekt vor dieser Arbeit.



More Facts:

Der Kaiserstuhl auch die Toskana Deutschlands genannt ist ein erloschener Vulkan und das sonnenreichste und wärmste Rebengebiet Deutschlands. Mit 4200qm recht überschaubar, werden hier in Baden vor allem Spätburgunder und Grauburgunder angebaut aber auch Weißburgunder und Müller-Thurgau oder Gutedel sind bekannt. Auch die hohe Qualität vieler Winzersekte halten einen Vergleich mit dem französischen Champagner stand.

Weingüter, wie Salwey, Dr. Heger und Franz Keller kreieren international anerkannte Spitzenweine. Aber auch sehr viele Winzergenossenschaften und junge neue Weingüter in den hiesigen Ortschaften präsentieren wieder Weine auf höchstem Niveau made im Kaiserstuhl!


Das Weingut Dr. Heger - Mitglied im VDP Deutschland - dem Verband deutscher Prädikatsweingüter aus Ihringen am Kaiserstuhl, ist ein Synonym für große Weine. Untrennbar ist der Name mit dem Ihringer Winklerberg, einer der weltweit berühmtesten Lagen überhaupt. Extrem steil, extrem heiß und extrem steinig bietet der Winklerberg optimale Voraussetzungen für die Erzeugung von ausdrucksstarken Terroirweinen der Sorten Spätburgunder, Grauburgunder, Weissburgunder aber auch Silvaner und Chardonnay. Die Weine prägen eine charaktervolle feingliedrige Mineralität und subtile Finesse. Joachim Heger führt das Weingut zusammen mit seiner Frau Silvia und die beiden Töchter Rebecca und Katharina Heger stehen bereits in den Startlöchern.








Photocreedit: Johannes Meger



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